Donnerstag, 15. Dezember 2016

Dieses Buch bleibt im Regal #3

Dieses Buch bleibt im Regal“ ist eine monatliche Aktion von Damaris liest.
Wie viele andere Büchersüchtige, habe auch ich das Problem, dass irgendwann der Platz eng wird. Bei dieser wunderbaren Aktion geht es darum, gerade die Bücher vorzustellen, die immer einen Platz in unserem Herzen und somit auch in unserem Regal haben werden.



Lieblingsbücher, mit denen wir etwas Besonderes verbinden, Bücher, die uns mitgenommen, fasziniert und unterhalten haben. Bücher also, die wir niemals wieder missen möchten.

Die Aktion findet immer am 15. jeden Monats statt und mitmachen kann, wer mag, den gesamten Monat lang. Hinterlasst Damaris bitte einen Kommentar und verweist auf ihren Blog.



Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafón



Klappentext

Als der junge Daniel den geheimnisvollen „Friedhof der Vergessenen Bücher“ betritt, ahnt er nicht, dass sein Leben eine dramatische Wende nehmen wird. Der Schatten des Windes, das Buch, das er für sich auswählen darf, wird ihn nicht mehr loslassen. Immer mehr taucht Daniel in die faszinierende Handlung des Romans ein, und auch sein eigenes Leben scheint sich den Gesetzen dieser Geschichte zu unterwerfen.

Herzensbuch

Wie üblich hat auch dieses Buch seine Geschichte. Doch im Vergleich ist diese beinahe banal.
Ich muss etwa 17 gewesen sein, als ich das Buch bei den Neuerscheinungen im Buchladen liegen sah.

Die Leute wetzen den Schnabel nach Herzenslust. Der Mensch stammt nicht vom Affen ab, sondern vom Huhn.“ S. 153

Damals habe ich mich über Bücher nicht informiert, sondern sie gekauft, wenn mir Cover, Titel und/oder Klappentext gefielen. Das war Recherche genug.
Dieses Buch hatte mich schon bei den Worten - „Friedhof der Vergessenen Bücher“ - ich meine, wie kann man an einem solchen Satz vorbei gehen? Vor allem, wenn man Bücher so sehr liebte, wie ich damals?
Also wurde das Buch kurzerhand gekauft. Da ich damals auch noch keinen SUB besaß, wurde das Buch sogar direkt gelesen.


Ich war in der Überzeugung aufgewachsen, das stockende Voranschreiten der Zeit nach dem Ende des Bürgerkriegs, eine Welt aus Bewegungslosigkeit, Elend und heimlichem Groll, sei ebenso normal wie das Leitungswasser und die stumme, aus den Mauern der verwundeten Stadt blutende Trauer sei das wirkliche Antlitz ihrer Seele. Eine der Besonderheiten der Kindheit ist, dass man etwas nicht zu begreifen braucht, um es zu spüren. Ist dann der Verstand schließlich in der Lage, das Geschehene zu verstehen, so sind die Wunden im Herzen schon zu tief.“ S. 44f


„Der Schatten des Windes“ ist das erste Buch, dass ich je offiziell mein Lieblingsbuch genannt habe. Es hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Zwei Familiengeschichten, die so geschickt, so spannend, so geheimnisvoll miteinander verflochten waren und mitten drin – beinahe als Hauptfigur – ein Buch.

Ich spüre Millionen verlassener Seiten, herrenloser Welten und Seelen um mich herum, die in einem Ozean der Dunkelheit untergingen, während die außerhalb dieser Mauern pulsierende Welt Tag für Tag mehr die Erinnerung verlor, ohne es zu merken, und sich um so schlauer fühlte, je mehr sie vergaß.“ S. 93

Aber am meisten beeindruckt hat mich damals der Schreibstil. Er ist so poetisch, so vielfältig, ausdauernd und stellenweise philosophisch. Ich habe damals etliche Zitate im Buch angestrichen. Das macht es mir heute natürlich einfach. Denn ich besitze noch immer die selbe Kopie wie damals.Viele Worte und viele Sätze haben mich zum nachdenken oder träumen gebracht. Manche sogar zu schlucken. Denn viele Geschehnisse in dem Buch gingen mir sehr zu Herzen.

Diese Welt wird nicht von der Atombombe zerstört werden, wie uns die Zeitungen weismachen wollen, sondern sie wird sich totlachen, wird an Banalität zugrunde gehen, weil sie aus allem einen Witz macht, einen schlechten noch dazu.“ S. 131



Seitdem habe ich das Buch mehrfach verliehen und mehrfach gelesen. Natürlich hat sich mein Buchgeschmack seit damals verändert. Andere Bücher kamen und andere nahmen einen höheren Stellenwert ein. Dennoch... bleibt das Buch Teil meines Regals und natürlich Teil meines Herzens. Denn ich verbinde mit dem Buch die erste wieder erwachte Buchleidenschaft meiner Jugend.

So ließ die Familie Fortuny die Jahre verstreichen, brachte ihre Herzen und Seelen zum Verstummen, sie sie alle vor lauter Schweigen die Worte vergessen hatten, um ihre wirklichen Gefühle auszudrücken, und einander zu Fremden wurden, die unter ein und dem selben Dach zusammenlebten.“ S.159f



'Böse nicht', entgegnete Fermin. 'Schwachsinnig, was nicht dasselbe ist. Das Böse setzt moralische Entschlossenheit voraus. Der Schwachkopf dagegen hält sich nicht mit Nachdenken auf, sondern handelt instinktiv. Was die Welt braucht, sind mehr wirklich böse Menschen und weniger beschränkte Holzköpfe.'“ S. 187




Kommentare:

  1. Huhu,

    mit dem Buch konnte ich ja leider wenig anfangen. War nicht meins.

    Hier ist mein Beitrag:

    https://lesekasten.wordpress.com/2016/12/15/dieses-buch-bleibt-im-regal-5-mit-kiera-cass-selection/

    LG Corly

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    1. Geschmäcker sind ja, Gott sei Dank, verschieden. Dafür fällt dein Buch auch so gar nicht in mein Beuteschema. Ich komm gleich mal bei dir kommentieren.

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    2. ja, stimmt. Gott sei Dank. Ich tanz da sowieso oft aus der Reihe.

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  2. Liebe Ina,
    es ist so schön, wenn man sich an Bücher erinnert, die man erstmals offiziell zum Lieblingsbuch ernannt hat. Und vor allem Bücher aus der Jugend haben dabei einen hohen Stellenwert. Ich muss gestehen, dass ich mich früher auch nicht so ausdauernd über Bücher informiert habe. Das mache ich erst, seit ich blogge. Früher habe ich gerne in Buchhandlungen gestöbert oder mir Tipps von Freundinnen geholt. Das kommt heute leider viel zu kurz. Danke für deinen tollen Beitrag!
    Grüße dich lieb,
    Damaris

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    1. So richtig intensiv mit Büchern beschäftige ich mich auch erst seit meinem (ersten) Blog. Allerdings fing das bereits kurz vorher an, als ich meine beste Freundin traf und sie mir ein Bücher-Forum empfahl. Da habe ich mich dann viel zu den Büchern informiert, die dort besprochen wurden.

      Stöbern kommt bei mir auch zu kurz, Tipps von Freunden hole ich mir allerdings immer noch sehr viele. (Auch wenn ein paar von ihnen selber Blogs betreiben)

      Mein "aktuelles" Lieblingsbuch habe ich ja bei deiner Aktion auch schon vorgestellt :D Und ich weiß auch schon, welches Buch im nächsten Monat dran sein wird.

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