Samstag, 19. November 2016

Die Geschichte von Heinrich und Hakim

Seit meiner Kindheit wünsche ich mir zur Weihnachtszeit zwei eigene Räuchermännchen. Pipenkerle, wie wir sie früher genannt haben.
Bisher habe ich mich zwar in der Adventszeit immer danach umgesehen, aber immer eher halbherzig. Dieses Jahr war es dann soweit. An einem wunderbar großen Holz-Handwerks-Stand wurden wir fündig. Die Auswahl war riesig. Meine erste Wahl fiel – wie sollte es auch anders sein – direkt auf den Herrn, der uns über 100 Euro gekostet hätte. Ich habe also ein Auge für Qualität 0.o

Nun so teuer, sollten die beiden Herren nicht werden. Wir haben uns letztendlich für diese beiden entschieden.



Ich war einfach sofort verliebt in die Zwei. Ein bisschen multi-kulti, ein bisschen farbig, ein bisschen warmherzig und gut duftend. Wir haben uns erstmal für Tannenduft und Zimtapfel entschieden. Und ich muss sagen, die beiden haben sich bereits perfekt eingelebt.


Und daher eine Weihnachtsgeschichte


Der kleine, dickliche Herr in rot trägt den Namen Heinrich. Er ist Pfeifenschnitzer und raucht schon sein Leben lang. Natürlich nur den guten Tabak. Er hat ja Geschmack. Er ist kinderlos und nach dem Tod seiner Frau hat er sich sehr aus dem weltlichen Leben zurück gezogen. Er hat keine Familie und keine Freunde, denn er ist glücklich mit seinen Pfeifen und seiner Werkstatt.
Das viele gebeugte Arbeiten allerdings hat seinem Rücken geschadet, weswegen er an Rückenschmerzen leidet. Allerdings hat er einen guten Arzt und gute Medikamente. Er ist ein wenig brummig, aber er hat ein großes Herz.

Hakim, ist der Herr in grün. Er stammt aus Sanaa im Yemen. Er war schon immer eher liberal eingestellt und bezeichnet sich selbst gerne als Freigeist. Die engen Fesseln seiner Kultur und sogar die seiner Familie fielen ihm immer schwer. Er ist ein ruheloser Mensch, der gerne die Welt kennen lernen will.
Einige Traditionen verliert man allerdings nie und so ist er der Pfeife und dem Tabak stets treu geblieben. Süßer, würziger Tabak ist ihm am liebsten.
Irgendwann hat er sich aufgemacht und ist gereist. Leider ist ihm bei der langen Reise die Pfeife zerbrochen.

Als Heinrich am Weihnachtsmogren in die Apotheke geht um sich sein Schmerzmittel zu holen, fällt ihm ein hoch gewachsener, dunkelhäutiger Mann auf, der offensichtlich mit Schnupfen zu kämpfen hat.
Als er sich draußen vor der Apotheke die Pfeife anzündet, wird der Fremde auf ihn aufmerksam und spricht ihn an. Sie sprechen beide die Sprache des anderen nur gebrochen, aber sie sind sich gleich sympathisch. Heinrich verrät Hakim, dass er Pfeifenschnitzer ist und dieser bittet ihn, eine neue Pfeife für ihn herzustellen. Heinrich willigt ein.



Mit der Zeit treffen sich die beiden immer häufiger und schon bald werden sie Freunde. Die dicksten Freunde. Gemeinsam genießen sie Tabak und Tee und wenn sie einmal nichts zu erzählen haben, schwelgen sie im gemeinsamen Schweigen.
Heinrich möchte allerdings langsam in Rente gehen und das Geschäft wirft auch nicht mehr so viel ab, wie früher, daher haben die beiden entschlossen, dass es Zeit wird eine günstige, liebevolle und verständnisvolle Unterkunft zu suchen.
Die haben die beiden bei uns gefunden. Hier können sie nach Lust und Laune rauchen und in Erinnerungen schwelgen.


Mein Mann und ich sind auf jeden Fall sehr angetan von den beiden Herren. Sie bringen etwas Heimeliges ins Haus. Die perfekten Gäste (Mitbewohner) zur Adventszeit.  

1 Kommentar:

  1. So ist Hakim also sesshaft geworden und Heinrich hat den perfekten Altersruhesitz gefunden und beide schmökern gemütlich bei euch ihre Pfeife. *g*

    AntwortenLöschen